Erfahrung seit 1983
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS 8-918).
Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten (gemischte
Krankenanstalt).
HIRNSCHLAG
Schmerz / Schmerzen nach
Hirnschlag
Was ist ein Hirnschlag?
Der Hirnschlag ist gekennzeichnet durch eine perakut (= extrem heftig einsetzend) bis subakut (= mit nur schwach ausgeprägten Merkmalen) auftretende Funktionsstörung des Gehirns.
Wie entsteht ein Hirnschlag ?
Der Hirnschlag ist auf eine Durchblutungsstörung des Gehirns zurückzuführen, wofür zwei Ursachen in Frage kommen:
Ein thrombotischer (= durch einen Blutpfropf verursachter) oder embolischer (= durch über die Blutbahn verschlepptes Material, z.B. Zellhaufen, kleine Blutgerinnsel, verursachter) Gefäßverschluß (der sog. ischämische Hirnschlag), oder
Eine Gefäßruptur (= Gefäßeinriss) mit nachfolgender intrazerebraler (= das Innere des Gehirns betreffende) oder subarachnoidaler (= den Raum unter der Hirnhaut betreffende) Blutung (der sog. hämorrhagische Hirnschlag).
Welche Erkrankungen können zu einem Hirnschlag führen ?
ad 1) Eine relativ häufige Ursache für den sog. ischämischen Hirnschlag ist das Vorhofflimmern (= eine Herzrhythmusstörung)
ad 2) Einer der Hauptrisikofaktoren für einen hämorrhagischen (= durch eine Blutung ins Gehirn verursachten) Hirnschlag ist ein erhöhter Blutdruck. Blutgerinnungsstörungen oder die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten begünstigen eine Hirnblutung. Seltenere Ursachen sind Gefäßmissbildungen oder Tumore.
Wie oft kommt ein Hirnschlag in der Bevölkerung vor ?
Beim Hirnschlag beträgt die jährliche Häufigkeit 2,7% (Männer)
bzw. 2,1 % (Frauen). Im Alter unter 45 Jahren findet sich eine Häufigkeit von
0,3 %, im 45.-65. Lebensjahr von 8% und bei über 65 Jahren von 20%.
Die Letalität
(= Zahl der Todesfälle im Verhältnis zur Zahl neuer Erkrankungsfälle)
beträgt ca. 10 %.
Der Hirnschlag ist in Deutschland, nach Herzinfarkt
und Krebs, die dritthäufigste Todesursache. (Quelle: m-ww.de)
In welchen Formen kann ein Hirnschlag auftreten ?
Bei einem Hirnschlag unterscheidet man je nach Ausmaß verschiedene Typen:
Nicht selten verbleiben nach einem Hirnschlag
heftige Schmerzen
in der herdgekreuzten Körperhälfte, oft vorwiegend im
Ar m (ähnlich einer
Brachialgie) und
Be in.
Der vorzugsweise brennende Dauerschmerz
kann sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt
eine Al lodynie (= Schmerz auslösung durch an sich nicht
schmerz hafte Reize) vor. Fast regelmäßig besteht eine Hyperpath ie (=
verzögerte Reizantwort, die Schmerzen halten über die Reizzeit hinaus an bei
insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Ursächlich für diese Schmerzen sind Läsionen (= Störungen, Schädigungen)
in schmerz kontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Tha lamus)
(Pagni
1985).
Man bezeichnet deshalb diese zentralen (= im Gehirn
entstehenden) Schmerzen als Thal amus schmerzen.
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich bei Hirnschlag -Patienten eine Hem ipa rese
(= Halbsei tenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea (= sog.
Veitstanz), Athetose (= Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung)) kommen vor,
ebenso die sogenannte Tha lamushand
nach Poeck (die Finger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenken) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der Han d auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der dem Hirnschlag zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie (=
Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen) und Kernspintomographie
möglich.
Einseitige Schmerzen nach einem Hirnschlag stellen ein therapeutisches Problem dar. Häufiger wird diesen Patienten gesagt, sie müßten mit ihren Schmerzen leben, weil es keine Behandlung gäbe. Unsere Erfahrungen und Erfolge widerlegen diese allgemeine Aussage.
Die Behandlung des Thalamus schmerz es nach einem Hirnschlag:
Medikamentös
können sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei Polyneuropathie hilfreich) versucht werden. Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Phenytoin soll ebenfalls schmerz
lindernd sein (Cantor
1972).
Teilweise sahen wir bei Schmerzen nach einem Hirnschlag auch mit Baclofen
(= ein im Rückenmark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten (=
opiumähnliche Mittel).
Als schmerz distanzierende
Psychopharmaka
bevorzugen wir Doxepin oder Maprotilin. Amitriptylin soll ebenfalls wirksam sein (Koppel 1986).
Teilweise können bei Schmerzen nach einem Hirnschlag mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels einer diagnostischen Nervenblockade (Betäubung) werden im Extremitätenbereich (= Ar me und Bei ne) wiederholte Plexus brachialis-, N. femoralis- und/oder Ischiadikusblockaden durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der kontinuierlichen Form mit Katheter (= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch) (*siehe unten) erfolgreich. Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes" (=
Sch merzen, die im Rückenmark / Gehirn entstehen) erscheint die
Durchführung von Nervenblockade
n zugegebenermaßen paradox
(= widersprüchlich). Wir haben jedoch
festgestellt, daß bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie
tatsächlich anspricht und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise
wird durch die zentrale Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr oberflächliches, nicht im
Gehirn oder Rückenmark vorliegendes) Schmerzsynd rom herbeigeführt,
vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung, Wahrnehmung) durch das efferente sympathische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem) mehr oder
weniger ausgeprägt aktiviert werden.
Für eine Beteiligung des sympathischen
Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980) und Nathan
(1980), wonach
Sch merzen im
Arm und/oder
Bein nach einer Störung/Schädigung des
Zentralnervensystems (= Rückenmark und Gehirn)
durch Sympath ikusblockaden
beseitigt oder gelindert werden können. Da die Nerven
stämme (besonders Plexus brachialis (= Nervengeflecht
des Armes)) auch vegetative, sympathische Fasern mit sich führen,
kann eine solche Wirkung postuliert werden.
In diesem Zusammenhang ist auch folgende Nachricht interessant, denn bisher ging man auch bei diesem Schmerz von einer zentralen (= im Gehirn oder Rückenmark) Schmerzentstehung aus: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
Weitere Maßnahmen bei Schmerzen nach einem Hirnschlag:
Die Transkutane
Nervenstimulation (TENS) kann ebenfalls Schmerzl
inderung herbeiführen. Laitinen
(1976) beschreibt Erfolge mit der kontralateralen (= nicht
schmerz haften Gegenseite) Anwendung. Gemessen an der
Nutzen-Risiko-Relation erscheint die elektrische Reizung der thalamischen
Region mittels implantierter Elektroden vertretbar (Fields et Adams
1974). Stereotaktische Eingriffe (= Operationen mit einem
computergesteuerten Zielgerät) dürften wohl nur in Ausnahmefällen
zur Anwendung kommen.
Da viele Patienten nach Hirnschlag in der Phase der
Schmerztherapie noch Restzustände einer Hem iparese (=
Halbsei tenlähmung)
aufweisen, sollten im Sinne einer Rehabilitation
begleitend Heilgymnastik und physikalische Therapiemaßnahmen verordnet werden,
ebenso Ergotherapie zur Funktionsverbesserung.
* Methodenbeschreibungen
Folgende Katheterblockaden wurden in unserer Schmerzklinik entwickelt und werden seit vielen Jahren mit hoher Treffsicherheit routinemäßig zur Schmerzbehandlung angewendet:
Die kontinuierliche Blockade des
Plexus brachialis (= Armnervengeflecht)
mit Katheter:
Bei dieser Methode wird im Bereich der Innenseite des Oberarmes,
nahe der Achselhöhle in örtlicher Betäubung der Armnerv mit einer Kanüle
aufgesucht. Dann wird durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch
in die Nervenscheide (den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur
Schulter hin, vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der
Kunststoffschlauch mehrmals täglich (bei Bedarf auch nachts) mit einem örtlichen
Betäubungsmittel aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt,
daß die aktive Beweglichkeit erhalten bleibt, die Schmerz
empfindlichkeit jedoch
deutlich herabgesetzt oder aufgehoben ist. Während der Behandlung wird die Schul ter-/Ar m-Region deutlich besser durchblutet. Im Stadium der deutlichen
Schmerz linderung oder Schmerz
freiheit kann dann intensiv und vor allem sinnvoll
krankengymnastisch behandelt werden (besonders wichtig nach einem Hirnschlag).
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerz empfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist. Begleitend
können dann bei Patienten nach einem Hirnschlag die dringend
notwendigen krankengymnastischen Übungsbehandlungen durchgeführt werden.
Gegen Schmerzen im Hüft- und
Leistenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog.
3 in 1-Block oder die Plexus lumbalis-Blockade): Wenn man die Menge
der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des
Einspritzens den Oberschen kel
abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben
getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die
genannten Körpergebiete versorgen.
N. ischiadicus: Bei
dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem
Gesäß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen
Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt.
Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben
seit dem 1.4.2007 alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen
Krankenkasse einen
Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation
und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst
aussuchen. Quelle:
Web-Seite der
Bundesregierung und
Brief
des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als
Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.
Dieses
Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von
Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05)
und Hessen ((Az.: L 1 KR
2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen
Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet,
die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu
berücksichtigen (eine
Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)). Die Klinik im Film
- Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über
Schmerzbehandlungen
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