(Chronischer) NEUROPATHISCHER SCHMERZ
3. Schmerztypen
3.1
zentraler Schmerz
3.2
viszeraler Schmerz
3.3 neuropathischer Schmerz
Ein neuropathischer Schmerz wird dem zentralen und peripheren Nervensystem zugeordnet. Er ist dadurch gekennzeichnet, daß der Ursprung der Entstehung ein anderer ist, als das Gebiet, in dem der neuropathische Schmerz wahrgenommen wird. Daher spricht man auch von einem "fortgeleiteten" Schmerz (H.-J. Willenbrink 1999).
Ein neuropathischer Schmerz ist in der Regel ein chronischer (= länger als sechs Monate anhaltender) Schmerz.
Wenn der Schmerz dort entsteht, wo er auch empfunden wird, handelt es sich um einen sog. Nozizeptorschmerz. Hierunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Er wird je nach der Art des zu registrierenden Reizes als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustischer oder taktiler (= den Tastsinn betreffender) Schmerz-Rezeptor bezeichnet.
Ein neuropathischer Schmerz (Nervenschmerz) unterscheidet sich von Nozizeptorenschmerzen dadurch, daß das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt, es liegt sozusagen ein „Nerveneigenschmerz“ vor. Ein neuropathischer Schmerz hat also keine Warnfunktion hinsichtlich einer örtlichen Sch merzursache.
Ein neuropathischer Schmerz kann verschiedene Ursachen haben:
Mechanisch schädigende Einwirkungen (Traumen) auf den Nerv
Metabol ische (= stoffwechselbedingte) Störungen oder Schädigungen von efferenten (= vom Zentrum zur Oberfläche leitende) Ner ven
Nervenschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion
Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen von Amputationen
Zent rale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende) Störungen oder Schädigungen
Nachstehend werden entsprechend der aufgeführten Ursachen typische Krankheiten beschrieben und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
ad1:
Mechanische Schädigung:
Nach einer
Nervenverletzung kann es zu
einer
Kausalgie, neuerdings auch als
CRPS Typ II (komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II)bezeichnet,
kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch einen qualvollen, glühenden
Brennschmerz der betroffenen
Gliedmaße, auslösbar oder verstärkt
schon durch leiseste Berührung ((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalgie)),
durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalgie), Wärme,
Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalgie). Es liegt ein
neuropathischer Schmerz vor.
Meist bestehen
ferner Störungen der Durchblutung
und der Hauttrophik
(= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines Ner ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige
Gliedmaßen
(Alloparalgie). Im chronische n Stadium sind wiederholte
Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(=
örtliche Betäubungsmittel)
hilfreich,
optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter
(= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch).
Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzklinik) durchgeführt
werden.
ad2:
Auch bei der
Polyneuropathie
liegt ein neuropathischer Schmerz vor. Dieser wird durch metabol ische
(=
stoffwechselbedingte) Störungen
oder Schädigungen verursacht.
In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die alkohol ische und die diabet ische Genese
(= Entstehung) (Neundörfer
1988). In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper selbst entstehen)
(Porphyrie, Urämie) und evtl. infektiöse Ursachen (Borreliose,
Ehrlichiose nach
Zeckenbiß bzw.
Zeckenstich) in Frage.
Die Patienten klagen über einen brennenden
Dauerschmerz im
Versorgungsgebiet peripherer (= mehr
oberflächlicher) Ner ven,
Parästhesien (= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien
(= gesteigerte Empfindlichkeiten für Berührungsreize)
und
Hyperpathien (=
Überempfindlichkeiten gegenüber allen örtlichen Reizen mit erhöhter
Reizschwelle),
Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven und
Muskeln
sowie evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende)
Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl
1988). Charakteristisch sind socken- bzw.
hand
schuhförmige Sensibil itätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Ein durch Polyneuropathie verursachter, neuropathischer Schmerz wird in erster Linie kausal behandelt, also der Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung, bei toxischer (= durch Gifte entstandene) Polyneuropathie Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die
Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie:
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt zu einer Reaktivierung
des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetischer Ketone.
Neurotrope Vitamine (=
„Nervenvitamine“): Die mehr oder
weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Analgetika
(=
Schmerzmittel):
Ein poly- neuropathischer Schmerz ist in der Regel durch Schmerzmittel
nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von
zentral wirksamen Analgetika (= Schmerz-Mittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Medikament zu empfehlen.
Ein neuropathischer Schmerz spricht am besten
auf die sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei diesem
Schmerz hilfreich) an. Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Eine Kombination aus Metamizol und
Chinin soll relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin-
und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden: Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich bei Nervenschmerzen sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei Polyneuropathie nicht nur symptomatisch, sondern fast schon kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).
ad3:
Ein chronischer neuropathischer Schmerz liegt auch bei der sog. Postzos
terischen
Neuralg ie (Zoster-Neuralgie)
vor, ausgelöst durch eine
Nervenschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion.
Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(= Ner ven
und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zos ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gürtel“ entsprechend der
gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die
Krankheit auch als
Gürtelrose bezeichnet.
Der Her pes zos ter befällt
überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener den
Gesichts- bzw. Kopfbereich (Herpes
zoster ophthalmicus,
Zoster oticus).
Die
Herpes zoster-Erkrankung beginnt mit einem brennenden, juckenden Ner vensch
merz im Bereich
der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die Berüh rung
der Haut im befallenen Bereich verursacht einen starken Ner v
enschmerz
(eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwindet dann auch der Schmerz
wieder.
Wenn der neuropathische Schmerz die Hauterscheinungen des Her pes zos ter überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zosterneuralgie ((postzosterische
Neuralgie
(PZN)) übergegangen.
Der Schmerzcharakter bei der
Postzoster-Neuralgie wird von den Patienten
uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig
einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch eine Allodyn ie (=
Schmerz-Auslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung)
vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Ein Dauerschmerz, auch in Form von Ner venschmerz en, erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren:
Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
Evtl. Physiotherapie (Krankengymnastik und Anwendungen) bei Funktionseinbußen
ad4:
Ein neuropathischer Schmerz kann auch durch eine
Nervendurchtrennung z.B.
im Rahmen von
Amputationen (durch
Operation oder Unfall) entstehen, er wird dann als
Phantomschmerz
(= Schmerzempfindung in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist)
bezeichnet.
Phantomschmerzen tritt meist unmittelbar nach der
Amputat ion
auf.
Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich ein Phanto mschmerz erst nach
Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellt.
Die Angaben
zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches Muster
erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie
"brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein
attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die
Schmerzattacken minuten- bis
tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit einem
Phantomschmerz
liegt eine
klimatische Schmerzmodulation (=
Änderung des Schmerzzustandes) vor.
Bei Amputat ionen im Bereich der
Be ine
stellen sich in der Regel später auch
behandlungsbedürftige Beschwerden an kontralateralen
(= gegenüberliegenden)
Gelen ken und an der Wir belsäule
ein, bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Ein anfallsartiger, einschießender neuropathischer Schmerz sollte mit
Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin)
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, aber auch bei
diesem Schmerz wirksam)
behandelt werden. Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen (= Mittel zur Muskelentspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
schmerzdistanzierende Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen, aber auch bei
neuropatischer Schmerz hilfreich)
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin und Doxepin.
Oftmals ist die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von häufig
wiederholten Ner ven- und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich.
ad5:
Des weiteren kann ein neuropathischer
Schmerz durch zentrale
(= das Rückenmark / Gehirn betreffende)
Störungen oder Schädigungen entstehen, so z.B. in Folge einer
Querschnittslähmung.
Über den
Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung ist
wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten
Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen
unterhalb der Verletzungsstelle. Immerhin 27% leiden unter einem Ner venschmerz,
vorwiegend im Bereich der Be ine. Teilweise
tritt auch krampfartiger, viszera ler
(= die Ein geweide
betreffende)
Ner venschmerz im Ba uchraum
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst können
Schmerz en ausgehen, die oft auf eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese
Instabilität kann chirurgisch behoben werden.
Der Schmerz-Zustand nach einem
kompletten Querschnitt wird auch als
Deafferenzierungsschmerz bezeichnet.
Zur
Behandlung des neuropathische n Schmerz es bei einer
Paraplegie
(= Lähmung der Be ine) kann die
kontinuierliche peridurale (= rückenmarknahe)
Blockade
mit Katheter (= dünner
Kunststoffschlauch) hilfreich sein.
Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des geschädigten Segments
erfolgen.
Bei Tet raplegie
(= Lähmung
der Be ine und Ar me) bedarf die
kontinuierliche Per iduralblockade oberhalb des geschädigten Segments wegen des
erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Medikamentös können Carbamazepin oder Gabapentin bzw. Pregabalin (=
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei neuropathischer Schmerz wirksam),
Baclofen und schmerzdistanzierende Antidepressiva sowie
Neuroleptika
(= Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden.
Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen. Falls bei oraler (=
Tabletten-) Gabe die Nebenwirkungen
zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung mittels eingepflanzter
Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der 2. Wahl ist Sirdalud.
Ein
neuropathischer Schmerz
ist auch der sog.
Thalamusschmerz. Dabei handelt es sich um ein sog.
zentrales
Schmerzsyndrom
(= das Gehirn betreffendes), ausgelöst durch Störungen oder Schädigungen in
schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Tha lamus).
Hauptursache ist ein
Schlaganfall (Apoplex). Die
betroffenen Patienten klagen in der Regel über einen heftigen Ner ven-Schmerz in der
herdgekreuzten
Körperhälfte (Hemialgesie). Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmerzen können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine
Allodyn ie (=
Schmerz-Auslösung durch an
sich nicht schmerzhafte Reize) vor.
Fast regelmäßig besteht eine Hyperpat hie
(= verzögerte Reizantwort, der Schmerz hält über
Reizzeit hinaus an bei insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich eine Hem iparese
(= Halbsei tenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea (= sog.
Veitstanz), Athetose (= Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung)) kommen vor,
ebenso die sogenannte Tha lamushand nach Poeck (die Finger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenken) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der Han d auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie
(= Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen)
und Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung dieses Schmerz es
ist selbst für den
erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung.
Medikamentös können sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei Polyneuropathie hilfreich) versucht werden. Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Phenytoin soll ebenfalls schmerzlindernd sein (Cantor
1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen
(= ein im Rückenmark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von Opiaten.
Teilweise können aber mit der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel )
beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer
Blockaden (Betäubungen) werden im Extrem itätenbereich
(= Ar me und Be ine)
wiederholte Pl exus brach ialis-, N. femoral is- und/oder
Isch iadikusblockaden
durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der kontinuierlichen Form mit
Katheter (= eingepflanztem dünnem Kunststoffschlauch)
erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der
betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes" (=
Sch merzen, die im Rückenmark / Gehirn entstehen) erscheint die
Durchführung von Nervenblockade
n zugegebenermaßen paradox
(= widersprüchlich). Wir haben jedoch
festgestellt, daß bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie
tatsächlich anspricht und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise
wird durch die zentrale Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr oberflächliches, nicht im
Gehirn oder Rückenmark vorliegendes) Schmerzsynd rom herbeigeführt,
vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung, Wahrnehmung) durch das efferente sympathische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem) mehr oder
weniger ausgeprägt aktiviert werden.
Für eine Beteiligung des sympathischen
Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980) und Nathan
(1980), wonach
Sch merzen im
Arm und/oder
Bein nach einer Störung/Schädigung des
Zentralnervensystems (= Rückenmark und Gehirn)
durch Sympath ikusblockaden
beseitigt oder gelindert werden können. Da die Nerven
stämme (besonders Plexus brachialis (= Nervengeflecht
des Armes)) auch vegetative, sympathische Fasern mit sich führen,
kann eine solche Wirkung postuliert werden.
In diesem Zusammenhang ist auch folgende Nachricht interessant, denn bisher ging man auch bei diesem Schmerz von einer zentralen (= im Gehirn oder Rückenmark) Schmerzentstehung aus: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05) und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)).
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